Geschichte

von Sasan Esfandiari

Das Kämpfen ist so alt wie die Menschheit! Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Völkern, Gruppen und Einzelnen begleiteten den Menschen während seiner Entwicklung und sind mehr oder weniger historisch überliefert oder dokumentiert. Im Laufe der Zeit entwickelten viele Völker eigene Ideen und Praktiken; zahlreiche bekannte Kampfstile, die in verschiedenen Teilen der Welt vorherrschen, brauchten Generationen zu ihrer Entwicklung. Auch wenn einzelne Personen einen neuen Stil begründeten, wurde stets auf Vorerfahrungen anderer, älterer Systeme zurückgegriffen.

Überlieferte Kampfformen sind um die Jahrhundertwende systematisiert und verbreitet worden. Die heute bekannten Kampfkünste entstanden aus diesen überlieferten Kampfstilen. Eine ähnliche Entwicklung liegt dem relativ jungen Taekwondo zugrunde. Von der Selbstverteidigung über Kampfsport zum heutigen olympischen Wettkampfsport gereift, basiert es ebenfalls auf alten traditionellen Stilen.

In Korea gibt es eine lange Tradition verschiedener Formen der Selbstverteidigung. Die heute bekanntesten beiden Hauptrichtungen sind Taekwondo und Hapkido, die jeweils in mehrere Schulen unterteilt sind, haben jedoch gemeinsame Entwicklungslinien.

Eine erste namentliche überlieferte waffenlose Art der Selbstverteidigung war „Subak“. Ihm schrieb man einen 1800 Jahre zurückliegenden Ursprung zu.

Im Subak kamen vornehmlich Handtechniken zum Einsatz. Eine andere Form, das „Taekyon“, entwickelte sich im Laufe weiterer Jahrhunderte. Im Gegensatz zum Subak dominierten im Taekyon die Beintechniken.

Schließlich vollzog sich eine verschmelzung der Kampfstile Subak und Taekyon, die in einem gemeinsamen System unter dem Namen Taekyon weitergepflegt wurden. Zu einem späteren Zeitpunkt gewannen chinesische Einflüsse in verschiedene Regionen Koreas an Bedeutung. Weiter Stile entstanden: Gong-soo, Kwon-bup, Kung-su, und Tae-soo.

Die Kampfkunst erlebte in Korea eine erste Blüte zu der Zeit, als das Land in drei Königreiche geteilt war: die Koguryo-Dynastie, die Paekche-Dynastie und die Silla-Dynastie (etwa im Jahr 500). Historiker beziehen sich auf alte Legenden, nach denen besonders das Taekyon im Silla-Reich gepflegt und gefördert wurde. Um sich vor den beiden größten Königreichen zu schützen, wurde eine militärische Organisation, Hwarang-Do (heute der Name für eine weitere Selbstverteidigung in Korea), gegründet. Idealisierte Sichtweisen sagen aus, dass der Jugend des Landes in dieser Organisation moralische und patriotische Ziele nahegebracht werden sollten. Letztlich war sie aber eine militärische Einheit, die diese nationale Kunst des Fußkampfes als Kriegskunst benutzte.

Ähnlichkeiten zum moralischen Codex finden sich auch bei europäischen Rittern und den japanischen Samurai. Dem Hwarang-Do-Führer Kim-yu-sin gelang es im Jahre 668 n. Chr. nicht nur , die ständigen Übergriffe durch die anderen Reiche zu beenden, sondern sogar die drei Königreiche, unter Mithilfe von China, zu vereinigen. Im Jahre 935 gab es durch Kyong-hum einen Umsturz. Das Königreich Koryo wurde gegründet, von dem sich der westliche Name Korea herleitet. In dieser Zeit erreichte der Vorläufer des heutigen Taekwondo seinen Zenit – König Chung-hae veranstaltete Palastwettkämpfe.

In der später folgenden Yi-Dynastie (1393-1910) verlor das Taekyon an Bedeutung. Alles, was mit Militär zu tun hatte, wurde abgewertet. Andere kulturelle Eigenschaften genossen höheres Ansehen als die Kriegskünste, die, nachdem der Konfuzianismus den Buddhismus als Staatsreligion abgelöst hatte, sogar in Verruf gerieten.

Während der japanischen Besetzung (1909-1945) wurde die Ausübung aller kriegerischen Künste verboten. Überliefert sind die Namen zweier Experten der alten Taekwondostile Taekyon und Backchiki, Songduk-ki und Han-il-dong, die diese koreanische Kampfkunst aufrechterhielten, in dem sie diese in entlegenen Gebieten heimlich weiterpraktizierten und an ihre Schüler weitergaben. Nach dem 2. Weltkrieg kehrten viele Auswanderer nach Korea zurück. Da es in China und Japan keine Beschränkungen bei der Ausübung von Kampfkünsten gegeben hatte, wurden die koreanischen Stile mit fremden Stileinflüssen konfrontiert. Als Teil der wiedererwachenden nationalen Identität besann man sich wieder auf die alten Selbstverteidigungsmethoden, was zur Folge hatte, dass viele Kampfkunstschulen eröffnet wurden. Zahlreiche neue Stilarten, die z.T. noch heute praktiziert werden, entstanden.

Recht bald gab es, auf Aufforderung der Regierung, Bestrebungen, eine einheitliche Form und Bezeichnung für die Vielzahl der Richtungen zu finden.

Die größte Stilrichtung, Jidokwan, setzte sich durch und 1955 wurde auf Vorschlag von General Choi-hong-hi, der Name Taekwondo als aussagekräftige Bezeichnung für die koreanische Kunst der Selbstverteidigung gewählt.

Die Grundlage für die spätere Verbreitung über die ganze Welt war damit gelegt. Nach der Annahme der Bezeichnung Taekwondo als Begriff für die koreanische Selbstverteidigungskunst durch führende Persönlichkeiten Koreas im Jahre 1955 wurde die weitere Entwicklung und Ausbreitung der neugeschaffenen Kunst durch Differenzen zwischen den Hauptgruppierungen innerhalb des Taekwondo behindert.

1961 wurde per Erlass der neuen Militärregierung die Tae-Soo-Do-Association als ernster Versuch, die Hauptrichtungen des Taekwondo zusammen zu bringen, gegründet. 1962 fand die Angliederung an die Korea-Amateur-Sports-Association statt. Bis zum Jahre 1965 konnten die meisten Rivalitäten beseitigt werden, was zur Gründung der Tae-Kwon-Do-Association führte. Dieser Verband setzte nunmehr die Tradition der Kampfkünste in Korea fort.

Ihm gehören die 5 größten Stilrichtungen bzw. Schulen an: Chung-Do-Kwan, Moo-Duk-Kwan, Chang-Moo-Kwan, Oh-Do-Kwan und Ji-Do-Kwan.

In Korea wurden durch den nationalen Dachverband, die Korea-Taekwondo-Association, zahlreiche Aktivitäten unternommen.

1972 eröffnete das Kukkiwon in Seoul/Süd-Korea als Zentrum des Taekwondo. 1973 wurde anlässlich der ersten Taekwondo-Weltmeisterschaften die World-Taekwondo-Federation (WTF) unter dem Präsidenten Dr. Kim-un-yong in Seoul gegründet (es sei hier daran erinnert, dass unser Großmeister Kim Chul-hwan als 20jähriger Sportler bei dieser Meisterschaft einen Weltmeistertitel errang!).

Der in Korea maßgebende Verband, die KTA, begann dem Taekwondo einen weltweiten Aufschwung zu geben. Grundlage des WTF-Systems waren der Vollkontakt-Westenkampf sowie die Poomse-Übungsformen. Taekwondo wurde fortan ohne Bindestrich geschrieben.

Als ein erster Höhepunkt in der langen Entwicklung des Taekwondo ist das Jahr 1988 zu betrachten. Taekwondo war erstmalig bei den olympischen Spielen in Seoul, und 1992 in Barcelona Vorführdisziplin. Bei den olympischen Spielen 2000 in Sydney war Taekwondo als offizielle olympische Disziplin vertreten.